Woche 1 – 4

Bevor ich die Funktion Richtstrahlpionier (Ristl Pi) gewählt habe, wollte ich mich über diese schlau machen. Ich wollte in Erfahrung bringen, was genau ein Ristl Pi tut. Leider wurde ich nirgends im Internet fündig. Den Kollegen in anderen Schulen erging es genauso. Wir haben deshalb gemeinsam beschlossen, jeweils Berichte über unsere Rekrutenschulen (RS) zu verfassen, damit eventuelle Nachfolger sich ein Bild über die Funktion machen können.

Wichtig: Dies ist ein persönlicher Bericht, er dokumentiert nur über meine RS, quasi als „Geschichte“, und dient nicht als Vorlage für andere Schulen.

Man möge sich fragen, warum ich erst jetzt mit dem Dokumentieren der RS beginne. In der ersten Woche ist man permanent gestresst, ich habe die Prioritäten auf das Wesentliche gesetzt und das „Tagebuch“ auf später verlegt. Als ich dann erfahren habe, dass das Veröffentlichen von Armeeinformationen strafbar sein kann, habe ich beschlossen, den Kompaniekommandanten zuerst um Erlaubnis für die Berichte zu fragen. Schlussendlich darf ich die Berichte schreiben, zeige sie jedoch vorher dem Hauptmann zur „Absegnung“.

Es beginnt alles am 04.07.2011 um 1330 bei der Kaserne Kloten. Wir wurden mit Musik begrüsst und sogleich mithilfe eines farbigen Blattes einer Kompanie (ungefähr 140 Mann) zugewiesen. Den Kollegen, mit dem ich übrigens eingerückt war, sah ich erst am Samstag wieder. Gemäss unserer Blattfarbe suchten wir uns unseren Weg zu unserer Kompanie. Dort angekommen wird jeder Rekrut seinem zukünftigen Zug (ungefähr 30 Mann) zugewiesen. An dieser Stelle müssen zum ersten Mal ein paar Formulare ausgefüllt werden, es geht vor allem um die Krankenkasse oder die Kontaktpersonen im Notfall. Wichtig ist an dieser Stelle zu erwähnen: Im Militär niemals etwas bis zur Unkenntlichkeit durchstreichen, sondern mit einem Lineal einmal durchstreichen oder besser gar keine Fehler machen. Im Anschluss an das Ausfüllen geht es erst einmal ans Lernen der militärischen Grade, der beiden Stellungen „Ruhn“ und „Achtung“ und der Bestandteile des Sturmgewehres sowie das Wissen um die aktuellen Chefs des VBS oder der Armee. Mit Kärtchen bewaffnet fragen die Gruppenführer dann jeweils im Kreis gehend alle Rekruten ab. Nach dem Eintreffen aller Zugsmitglieder wird fleissig an den Achtungspositionen gefeilt, schliesslich naht der Besuch des Schulkommandanten.

Die nächsten drei Tage stand vor allem das Fassen des Materials im Mittelpunkt. Jeder Angehörige der Armee (AdA) wird mit „Bergen“ von Material überhäuft. Anzüge, Taschen, Putzzeug, Helm, etc. etc. Das Material wird danach jeweils kontrolliert und dann korrekt verstaut. Am Dienstagabend war unser Zug mit dem Fassen der persönliche Waffe an der Reihe. Zum ersten Mal muss man sich nicht bei einem Gruppenführer anmelden, sondern beim Kompaniekommandanten. Er überreicht den Rekruten nach dem Anmelden die persönliche Waffe.

Die erste Woche neigt sich danach schnell dem Ende zu. Man beachte: Um am Samstag pünktlich abtreten zu können muss saubere Arbeit geleistet werden, dazu gehört unter anderem das Erfüllen der Ziele unter der Woche, das Bestehen von Lernkontrollen, die korrekte Zimmerordnung sowie das korrekte Verhalten am Hauptverlesen.

In den Wochen 2 und 3 steht vor allem AGA auf dem Zeitplan, also die Allgemeine Grundausbildung. Jeder AdA lernt die Grundlagen für die späteren Aufgaben.

Dazu gehören:

  • Manipulationen am Gewehr (Nachladen, Laden, Entladen, Störungen, Reinigen)
  • Schiessstellungen
  • An- und Abmelden
  • ABC Bereitschaftsgrade
  • C-Alarm
  • Militärische Formationen
  • Sanitätsdienst
  • Gefechtsformationen
  • Gefechtsmeldungen
  • Korrektes Verschieben
  • usw.

Es folgen auch diverse Theorien über:

  • Strafwesen
  • Dienste (VAKD, Wochenendwache, Fachdienst)
  • Kriegsvölkerrecht
  • ABC
  • SE-135
  • SE-235
  • Feldpost
  • EO
  • Seelsorgedienst der Armee
  • Karten und Kompasslehre
  • usw.

In der Woche 3 (so ist es mir) mussten wir mit Sturmgewehr (Stgw), zwei Magazinen, Selbstvertrauen und 10 Manipulationspatronen (Mani Pat) vor dem höheren Kader der Kompanie antreten. Danach wird man instruiert und muss vor den wachsamen Augen die Manipulationen korrekt durchführen. Entscheidend ist hier noch, die Manipulationen können ohne Zeitdruck durchgeführt werden. Klar darf der Magazinwechsel keine fünf Minuten dauern. Aber falls man sich unsicher ist kann man die Manipulation kurz im Kopf durchspielen und dann korrekt ausführen. Ich musste übrigens zwei Mal antreten, da ich beim Entladen die Verschlusskammer nicht überprüfet habe und den Finger bei der unverzüglichen Reaktion nicht auf „lang“ hatte.

In Woche 4 konnten wir zum ersten Mal schiessen. Ich habe vorher nie Kurzdistanz geschossen und es ist ein komplett anderes Gefühl als im 300m-Stand, welchen wir übrigens am darauffolgenden Freitag besuchten. Da fällt mir gerade ein, in unserer Kompanie gibt es so plus minus jede Woche einen sogenannten Rapido. Ziel des Rapidos ist offiziell den Zugzusammenhalt zu fördern, Kameradschaft zu pushen. Inoffiziellen geht es natürlich auch immer etwas darum, den Run zu gewinnen, dabei ist eine gesunde Mischung zwischen den beiden Zielen zu finden. Der Rapido ist eine fünfeinhalb Kilometer lange Strecke mit Start und Ziel vor der Kaserne. Der Weg muss schnellstmöglich zurückgelegt werden (beachte, man trägt sowohl Grundtrageeinheit, als auch Rucksack und Gewehr mit).

Woche 5 war wegen des ersten Augusts etwas kürzer. Am Dienstag am Mittag eingerückt verschoben wir am Abend ins Mückenparadies, sprich in den Wald. Es war ein halber Rapido und wer nicht nach 45 Minuten am Ziel ankam musste zur Kaserne zurücklaufen, die anderen wurden mit dem Lastwagen gefahren. Wir erreichten das Ziel und begannen ein Grabenfeuer zu errichten und konnten zügig speisen. Leider hatte niemand Antibrumm dabei, was dazu führte, dass ausnahmslos alle gestochen wurden. Ein Kamerad aus demselben Zimmer verzeichnete einen Stichrekord von 54 Stichen am Abend.

Am Freitag dieser Woche gingen wir wieder in die KD-Box. Gegen Ende konnten wir sogar rasches Einzelfeuer schiessen, was mindestens doppelt so interessant ist wie ständige Einzelschüsse.